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  4. Pädagogische Konzeption
 

4. Pädagogische Konzeption
Der Mensch ist ein Bewegungswesen. Vom ersten Lebenstag an erobert er sich die Welt über seinen Körper und seine Sinne. Die bewegungspädagogische Ausrichtung unserer Kita gründet sich auf der Überzeugung, dass Bewegung für die Entwicklung eines Kindes eine außerordentlich große Bedeutung hat, da Bewegungs- und Wahrnehmungserfahrungen mit anderen Bereichen der Persönlichkeitsentwicklung eng verbunden sind.

Dabei kann es aber niemals nur um die Förderung einzelner Bereiche beim Kind gehen. Auch wenn motorische und sinnliche Erfahrungen einen besonderen Stellenwert einnehmen, werden andere Bereiche wie die Förderung sprachlicher Kompetenzen, der Zugang zu ästhetischen und naturwissenschaftlichen Bildungsinhalten sowie das Erwerben sozialer Fähigkeiten in die Arbeit integriert.


4.1. Das Bild vom Kind
Das Konzept unserer Kita orientiert sich an einem humanistischen Bild vom Menschen.

- Streben nach Autonomie:
Mit zunehmender Beherrschung des eigenen Körpers und zunehmender Unabhängigkeit von äußerer Kontrolle entwickelt das Kind ein aktives Selbst. Es greift in wachsendem Maße in die eigene Entwicklung ein und lernt, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

- Selbstverwirklichung:
Das Kind wird als aktives und unternehmungslustiges Wesen betrachtet, welches das Bedürfnis zur Erforschung der Welt und zur Aneignung von Wissen entwickelt. Das Kind benötigt Umgebungsbedingungen, die diesen Prozess unterstützen und fördern.

- Ganzheitlichkeit:
Das Kind wird als Ganzheit gesehen. Psychische, kognitive, somatische, emotionale und soziale Prozesse sind aufeinander bezogen. Leib und Seele, Gefühl und Vernunft bilden eine Einheit. Das Kind wird als handelndes Subjekt gesehen.


4.2. Lernen durch Wahrnehmen und Bewegen
Lernen im frühen Kindesalter bedeutet in erster Linie: Lernen über Wahrnehmung und Bewegung.

Die von Geburt an vorhandenen Grundfähigkeiten der Wahrnehmung müssen vor allem in der Kindheit durch beständige Anpassung an Situationen, Dinge und Anforderungen trainiert werden. Je vielfältiger sensorische Funktionen geübt werden, umso sicherer werden Kinder in ihren Bewegungen. Bewegungsaktivitäten fördern wiederum das Zusammenspiel der Sinne und dienen als „sensorische Nahrung“. Kinder lernen durch Wahrnehmung Neues hinzu, das kindliche Gehirn erhält durch Anpassungsreaktionen die Chance, sich weiterzuentwickeln.

Sensorische Erfahrungen sind am wirksamsten, wenn Kinder selbst aktiv werden können. In unserer Kita fordert bereits die ständige Verfügbarkeit von Spiel- und Bewegungsgeräten die sinnliche Wahrnehmung heraus.


4.3. Bewegung und kognitive Entwicklung
Grundlegend für die Entwicklung der Intelligenz sind nach Jean Piaget (Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde. Stuttgart: Klett 1975.) die Möglichkeiten des Kindes, experimentierend und erforschend mit den Objekten seiner Umwelt umzugehen und selbstständig Erfahrungen sammeln zu können. Über die praktische Bewältigung von Situationen gelangt das Kind zu allgemeinem Wissen. Das Kind verinnerlicht Handlungen und kann zu einem späteren Zeitpunkt von der konkreten Tätigkeit abstrahieren. Die Vorstellung tritt an die Stelle des Ausprobierens.

Körper- und Bewegungserfahrungen sind immer auch verbunden mit der Erfahrung von Dingen und Gegenständen. Indem die Kinder sie im Spiel handhaben, mit ihnen umgehen und sie erproben, lernen sie ihre spezifischen Eigenschaften kennen. Je vielfältiger und abwechslungsreicher die materiale Umwelt gestaltet ist, je mehr die Handlungsbedingungen variiert werden können, umso mehr Kenntnisse und Erfahrungen kann das Kind erwerben.

Bewegung eröffnet somit dem Kind den Zugang zur Welt. Bewegungsaktivität wird vom Kind eingesetzt, um zu einem Wissen über die Welt zu gelangen, zu einem Wissen, welches es sich selbst mit seinen Erfahrungen erobert und nicht aus zweiter Hand erhält.


4.4. Bewegung und Wohlbefinden
Im Vorschulalter finden beim Kind entscheidende Entwicklungsprozesse statt, welche die Basis für das spätere körperliche Leistungsvermögen und Wohlbefinden bilden. Zur Ausbildung leistungsfähiger Organe benötigt der Organismus genügend Reize. Die Entwicklung der Organsysteme des Körpers, wie z.B. der Stütz- und Bewegungsapparat, das Kreislaufsystem und der Stoffwechsel sind sehr stark abhängig von der Qualität und Quantität ihrer Beanspruchung. Kinder müssen täglich die Gelegenheit haben, sich körperlich zu verausgaben, zu toben, zu rennen.

Die Bewegung begünstigt neben der körperlichen Funktionstüchtigkeit aber auch die Entwicklung weiterer Gesundheitsressourcen. Besonders für die personalen Ressourcen, z.B. die Einstellung des Menschen zu sich selbst, haben Bewegungserfahrungen eine große Bedeutung. Die Kinder lernen über die Bewegung, selbst etwas verändern, das eigene Geschick beeinflussen zu können. Sie erwerben ein positives Selbstbild und Ich-Stärke. Damit sind sie besser gerüstet, um innere und äußere Belastungen bewältigen zu können.


4.5. Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes
Durch Bewegungshandlungen lernen Kinder sich selbst kennen. Sie erhalten Rückmeldung über das, was sie können. Sie erfahren, dass sie Erfolg oder Misserfolg selbst bewirken können. Sie erleben aber auch, was andere ihnen zutrauen, wie die soziale Umwelt auf ihr Handeln reagiert. Das Selbstkonzept umfasst Einstellungen und Überzeugungen zur eigenen Person. Ein positives Selbstkonzept äußert sich z.B. in der Überzeugung, neue und schwierige Anforderungen bewältigen und Probleme meistern zu können.
Die psychomotorische Förderung der entwicklungsauffälligen und/oder in ihrer Bewegung beeinträchtigten Kinder hat das Ziel, über Bewegungserlebnisse das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken, den Ausgleich motorischer Schwächen und Störungen zu ermöglichen und so zur Stabilisierung ihrer Persönlichkeit beizutragen. Die Kinder werden zum selbstständigen Handeln angeregt, mit dem Ziel, ihre Handlungskompetenzen zu erweitern und eine positive Beziehung zum eigenen Körper und damit zu sich selbst aufzubauen, um zu einem positiven Selbstkonzept zu gelangen.


Maßnahmen, die den Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes zu unterstützen:

- Das Kind erhält verstärkt Rückmeldung über seine Stärken. Bewegungsangebote müssen für alle Kinder Erfolgserlebnisse und Könnenserweiterungen ermöglichen.

- Das Kind kann seine Selbstwirksamkeit erfahren, d.h. in den Spiel- und Bewegungssituationen kann das Kind Veränderungen der materialen Umwelt bewirken.

- Das Kind wird in seiner Eigenaktivität und im Selbsttätigsein gefördert. Die Bewegungsangebote sollten dem Kind vermitteln, dass der Erfolg Ergebnis der eigenen Anstrengung ist.

- Vorschnelle Hilfeleistungen durch die Erzieherin sollten vermieden werden.

- Das Kind erhält Wertschätzung unabhängig von seiner Leistung.

- Das Kind bekommt Erfolgsmeldungen über seinen individuellen Leistungsfortschritt, weniger jedoch über den Vergleich mit anderen Kindern.


4.6. Bewegung zur Förderung des sozialen Lernens
Das Kindergartenalter zählt zu den wichtigsten Entwicklungsabschnitten des sozialen Lernens. Viele in dieser Zeit erworbene Verhaltensmuster prägen nachfolgende Lebensabschnitte.

Kinder brauchen Kinder, um soziale Verhaltensweisen zu erlernen: sich gegenseitig zu helfen, Schwächen und Stärken zu akzeptieren, Verantwortung zu übernehmen, Konflikte zu bearbeiten usw. Bewegungsangebote und Bewegungsspiele sind dafür besonders gut geeignet. Sie beinhalten zahlreiche Situationen, die es für die Kinder erforderlich machen, sich mit Spielpartnern auseinanderzusetzen, Regeln auszuhandeln und anzuerkennen, Konflikte zu lösen.

In ihrem häuslichen Alltag finden Kinder heute selten Gelegenheit, in größeren Gruppen zu spielen. In der Kita lassen sich solche Spielsituationen schaffen, Lauf-, Fang- und Versteckspiele können organisiert werden. Früher wurden diese Spiele und ihre Regeln auf der Straße von den Älteren an die Jüngeren weitergegeben. Heute übernimmt die Erzieherin die Vermittlung.


4.7. Didaktische Prinzipien der Bewegungserziehung
Bewegungserziehung versteht sich als ganzheitliche Persönlichkeitsbildung. Sie wirkt nicht allein auf die motorische Entwicklung der Kinder, sondern ebenso auf die psychische, geistige und seelische Entwicklung. Um der Ganzheitlichkeit der Entwicklungsförderung gerecht werden zu können, sollten folgende Prinzipien berücksichtigt werden.

- Kindgemäßheit: Orientierung an den Interessen, Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder

- Offenheit: Flexibilität der Planung

- Freiwilligkeit: Ermutigung zur Teilnahme, aber kein Zwang

- Orientierung an der Erlebniswelt der Kinder

- Entscheidungsfreiheit: Gestaltung eines dem Entwicklungsstand der Kinder angemessenen Entscheidungsspielraum

- Selbsttätigkeit: Anregung zum Handeln in Eigeninitiative und Verantwortlichkeit

(Quelle Punkt 4.1 bis 4.7: Zimmer, Renate: Alles über den Bewegungskindergarten. 2006. Herder Verlag)


4.8. Umsetzung des Konzeptes

In der Kita „ADMEDINO“ bieten

- das Raumkonzept (Sportraum, weiträumiger Flur, Snoezelen- und Therapieraum, Kreativraum), großzügige Gruppenräume,

- die bewegungsfördernde Ausstattung der Gruppenräume,

- die äußeren Bedingungen ( Nähe zum Zeisigwald, großzügiger und bewegungsorientiert gestalteter Garten) sowie

- die Nähe zu ADMEDIA mit den dort vorhandenen Angeboten (Sauna, Schwimmbecken, Therapieräume) hervorragende Bedingungen zur Umsetzung des pädagogischen Konzeptes eines Bewegungskindergartens.

Die Erzieherinnen stehen dem Konzept offen gegenüber. Die inhaltliche Durchdringung und Aneignung des Konzeptes sowie die praktische Umsetzung in der Kita wird als Prozess gesehen, welcher in enger Teamarbeit zu realisieren ist. Weiterbildungen z.B. im Bereich der Psychomotorik sollten diesen Prozess auf jeden Fall begleiten.


Nichts geschieht,
ohne dass ein Traum vorausgeht.

Carl August Sandberg

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